9. Juni 2013

Alter Schwede

 Da tümmelt sich der Schnee auf dem schwedischen Apfelkuchen,
dabei war's in den letzten Tagen in Schweden wärmer als bei uns;-)
WIR - also UNSERE  Jungs - haben am Freitag die schwedische Fußballnationalmannschaft glorreich besiegt. Jo! Das freut UNS (kommt ja nicht soooo oft vor) und aus lauter Euphorie haben wir gleich einen Schwedischen Apfelkuchen gebacken. Keine Ahnung, ob die Durchschnittsschwedin jemals von diesem Kuchen gehört hat, ich jedenfalls hab das Rezept im Rahmen meiner Schulausbildung (Knödelakademie! Kind, da lernst was fürs Leben! Damit du kochen kannst und dich wer heiratet! Naja, gelernt hab ich einiges im Leben ;-) mitgenommen. Dann habe ich es ca. 20 Jahre liegen gelassen und heute ausgegraben und ein bisserl überdacht. Fazit: Dieser Kuchen ist eine alte Liebe von mir und schmeckt in überarbeiteter V 2.013 noch immer saugut.

Schwedischer Apfelkuchen

200 g Mehl
100 g Butter
1 Ei
1 Prise Salz
60 g Staubzucker

Ribiselmarmelade
4 Äpfel
Kuchen & Keksgewürz  nach Hildegard (oder einfach gemahlenen Zimt, Nelken, Muskat)
Agavensirup
4 Eiklar
100 g Kristallzucker
einige Spritzer Zitronensaft

Mürbteig herstellen, mind. 30 Minuten im Kühlschrank rasten lassen und dann in einer Kuchenform 15 Minuten blind backen.  In der Zwischenzeit die Äpfel klein schneiden und kurz mit Zitronensaft dünsten. Mit Agavensirup und Gewürz abschmecken. Die Eiklar steif schlagen, dann Zucker und Zitronensaft dazu geben und weiter schlagen, bis er ganz fest ist. Die erwärmte Ribiselmarmelade auf den vorgebackenen Teig streichen, die Äpfel darauf verteilen und die Schneehaube darauf setzen. Falls ihr wollt, Muster in den Schnee machen ;-). Ca. 30 Minuten backen, bis der Schnee schnittfest ist.

Naja, zugegeben: Eigentlich ist mir der Fußball ja wurscht. Ich hatte 4 Eiklar übrig - wie es dazu kam (Vanille-Kardamomeis), folgt. Und die Aufgabe, einen Kuchen für die sonntägliche Jause zu fabrizieren. Dann fiel mir ein, dass es da so einen Apfel-Schneehauben-Kuchen aus der Schulzeit gab, den ich geliebt habe. Und dann ging es schnell...

4. Juni 2013

Fast und Slow Food

http://www.milena-verlag.at
Während mancherorts den Leuten das Wasser bis zum Hals steht, freuen wir uns in der Wienerstadt über eine Prognose wie "Ab dem späten Nachmittag werden die Regenschauer vorübergehend seltener." In einer Phase dieser "vorübergehend seltener" gewordenen Regenschauer hatte ich es in den vergangenen Tagen immerhin geschafft, ein paar schöne Holunderblüten nach Hause zu bringen und zu Gelee und Sirup zu verarbeiten. Daher ist es nun Zeit für zwei Lokal- und eine Buchempfehlung(en). Voilà:

DIY-Falafel

Nahrhaftes, am besten vegetarisches Fastfood ist gar nicht so leicht aufzutreiben. Aber wer vom Büro nur auf einen Sprung nach Hause und dann gleich wieder weiter ins Theater eilt (Festwochen!), die/der hätte schon Bedarf an schnellem, guten Essen. Ein Fastfood der guten Sorte ist Falafel in Pitabrot (3,50 Euro) von der Falaferia in der Taborstraße Nr. 36. Die Falafelbällchen werden frisch knusprig frittiert und in das aufgeschnittene Pitabrot (wahlweise weiß oder Vollkorn) gegeben. Der Rest ist dann Do-it-yourself, und so kann frau/man den freien Platz im Pita ganz nach dem persönlichen Geschmack mit diversen Humusvariationen (auch sehr fein), Kraut, Salaten, Oliven etc. - mit oder ohne Paradeisern :-) - auffüllen und entweder vor Ort verspeisen oder mitnehmen. Neben Falafel, Humus & Co gibt es eine Tagessuppe, Salate und diverse Getränke. Mhhhh - sehr leckeres Fastfood und nettes Personal!

Dem Genusshimmel ganz nah

Wer ein bisschen mehr Zeit für ein Abendessen hat, überquert die Taborstraße und biegt in die Große Pfarrgasse ein: Auf Nummer 5 ist das Engel. Im Eingangsbereich steht eine auffällige Bar nebst einer schönen, alten Faema-Espressomaschine. Die Gäste sitzen an zwei langen Holztischen, eher untypisch für Wien, scheint aber zu funktionieren, und vielleicht schließt man ja neue Freundschaften beim Essen? Die Geschäftigkeit in der halb einsichtigen Küche wirkt appetitsteigernd und ein Blick in die zwei Seiten der aktuellen Speisekarte, handgeschrieben in einem Heftchen (man kann zurückblättern und bedauern, was man versäumt hat), steigert die Vorfreude auf das Kommende. Das Essen ist dann auch köstlich, die Weinauswahl recht fein. Frau probierte ein Lachstartar, grünen und weißen Spargel mit einem supergrünen Salsa Verde und Pinienkernen und danach ein Schokoladenmousse  mit Himbeersoße. Da die Portionen nicht so wahnsinnig üppig bemessen sind, gehen sich drei Gänge locker aus. Dazu ein GV vom Nigl - passt!

Zum Abschluss nach Längerem wieder eine Buchempfehlung: All jenen, die gemütliche oder auch schräge Lokale in der Wienerstadt als ihre erweiterten Wohnzimmer betrachten, sei Wien schön trinken aus dem Milena Verlag empfohlen. In dem kompakten Büchlein schreiben verschiedene mehr oder weniger bekannte "Lokalgrößen" über mehr oder weniger berühmt-berüchtigte Wiener Lokalitäten. Die Spanne der 36 Beiträge reicht vom gediegenen Wirtshaus bis zum Nachtasyl (wer's kennt ;-) und bietet also für jeden Durst die passende Lösung. Am besten das Büchlein schnappen und in das persönliche Lieblings-Wohnzimmer setzen ;-). Oder sich inspirieren lassen und mal was Neues versuchen!

26. Mai 2013

Ein Elend ist das

Im Prater blüht wieder der Holler...
Ich will ja nicht schon wieder über das Wetter meckern, aber anmerken wird frau ja wohl noch dürfen, dass 13 Grad am 24. Mai mittags (!) schon ein bisserl dürftig sind. Und dass ich die in Venedig erworbenen, sehr schönen, offenen Schuhe im Farbton Nippon Sky ;-) noch kein einziges Mal getragen hab. Stattdessen stecken die Füße in halbhohen Spätwinter-Rauhlederschuhen… Und dass es im Übrigen bis zum nächsten Urlaub noch soooooooooo lange dauert (Ende August)…. 

Letztes Jahr um diese Zeit konnten die Holunderblüten ihr Aroma in Wärme und Sonnenschein herrlich entfalten, und das feine Gelee und der Sirup waren bereits fertig in Gläsern und Flaschen abgefüllt. Heuer heißt es wohl eher: Abwarten und Tee trinken (nehmen Sie dafür die getrockneten Holunderblüten aus dem Vorjahr ;-).

Während wir also auf den Sonnenschein und ein paar Grad mehr warten, die den Holunderblüten das richtige Aroma verleihen, basteln wir wieder einmal eine Sachertorte für das Maigeburtstagskind. Das Glasurdesaster umgehe ich mit einer fertigen Kuvertüre aus dem Hause M. – glauben Sie mir, das ist besser für alle Beteiligten (mitbewohnende Zwei- und Vierbeiner, Torte, Allgemeinzustand der Küche und fraus Nerven). 

Ein bissl kindisch wird man ja noch sein dürfen ;-)

Sachertorte nach Sacher Kochbuch

140 g Butter
110 g Staubzucker
1/2 TL Vanillezucker
6 Eier
130 g Schokolade
110 g Kristallzucker
140 g Mehl
ca. 200 g Marillenmarmelade

Weiche Butter, Staubzucker und Vanillezucker cremig rühren. Dotter einzeln dazugeben und weiterrühren. Schokolade im Wasserbad schmelzen und unterrühren. Eiklar zu Schnee schlagen und mit dem Kristallzucker steif schlagen. Abwechselnd Schnee und Mehl unterheben und die Masse in eine befettete, bemehlte Tortenform füllen. Bei ca. 160-170 Grad ca. 50 Minuten backen, dabei die ersten 10 Minuten die Backrohrtür einen Spalt offen lassen. Die erkaltete Torte waagrecht auseinanderschneiden und mit Marillenmarmelade füllen. Wieder zusammensetzen und außen mit Marmelade bestreichen und dann glasieren.

Ein paar Holunderblüten waren dann doch schon bereit zum Pflücken. Diesmal probiere ich den neuen Sirupzucker (= Zucker und Zitronensäure, ja eh) aus und köchle den Sirup zwecks besserer Haltbarkeit. Hier daher ein Rezept für einen

Holunderblütensirup (V 2.0)

15 Holunderblütendolden
1 kg Sirupzucker
1 Biozitrone
1 l Wasser

Wasser und Sirupzucker vermischen und aufkochen, bis das Wasser wieder klar ist. Über die gut abgeschüttelten Holunderblüten (wir wollen ja kein Fleisch im Sirup haben) gießen und zwei Tage lang zugedeckt im Kühlschrank ziehen lassen. Danach den Saft einer Zitrone dazugeben und durch einen Kaffee- oder Teefilter abgießen (damit wirklich kein Fleisch im Sirup bleibt ;-). Den Sirup drei Minuten lang köcheln und in blitzsaubere, mit heißem Wasser ausgespülte Flaschen gießen und sofort verschließen.

Das Holunderblütengeleerezept vom vergangenen Jahr hat sich bewährt und wird in dieser Form – aber in größerer Menge – wieder herangezogen.

Wer dann zu viel Holunderblütensirup hat, kann entweder Holunderblüteneis daraus machen (dieses Rezept habe ich noch nicht ausprobiert und kann daher noch nichts dazu sagen) oder natürlich einen Hugo mixen (Sekt, Mineralwasser, Holunderblütensirup, Minzblättchen, Zitrone, Eiswürfel) und auf die Maigeburtstagskinder anstoßen. Prost!

13. Mai 2013

Perfektible Dinge

Ein spicy Süppchen im Mai -
da kann doch was nicht stimmen!
Ich hab jetzt ein neues Lieblingswort: perfektibel. Gelesen und gleich gemocht. Ja, ja, ich weiß, das kommt vom französischen perfectible, der Duden übersetzt es in „vervollkommnungsfähig“, was aber ein nicht ganz so schönes Wort wie perfektibel ist. Und es gibt natürlich auch die Perfektibilistin bzw. den Perfektibilisten… Das führt jetzt allerdings zu weit. 

Hoffentlich perfektibel ist das derzeitige Frühlingswetter. Weil einen Gutteil des Genussfestivals einfach zu versenken, das geht gar nicht. So nicht, Herr Wettermacher!

Und weil es heute gerade mal 15 Grad hatte, köcheln wir uns ein leicht scharfes Süppchen. Da wir zu den hoffnungslosen Optimistinnen gehören, denken wir an unsere Bikinifigur und ersetzen das übliche Obers durch Sojamilch. Die ist weniger fett und macht das schöne orange Süppchen trotzdem cremig.

Spicy Süßkartoffelsuppe (2 P.)

2 orange Süßkartoffeln
1 Karotte
1 EL Rapsöl
1/2 TL Paprikapulver
1 getrocknete Chilischote (diese Mini-Dinger von Sonnentor, die haben es in sich)
1/2 TL geriebenen Ingwer
1 Knoblauchzehe
Gemüsesuppe
Salz, Pfeffer
etwas Sojamilch
gehackte Petersilie

Süßkartoffel und Karotte schälen und in kleine Stücke schneiden. In Rapsöl anbraten, mit Gemüsesuppe aufgießen. Ingwer, Paprika, gehackte Knoblauchzehe und Chili dazugeben und Gemüse weich köcheln. Etwas Sojamilch hinzufügen und Suppe pürieren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und mit gehackter Petersilie bestreuen. Dazu passen mit Erdnussöl beträufelte Croutons.

Die Kalorien, die wir beim Süppchen eingespart haben, holen wir uns danach bei der Kaffeejause und zwar mit einer Ricotta-Zitronentorte. Die Torte, optisch perfektibel, geschmacklich einwandfrei.

Ricotta-Zitronentorte

Einen Mürbteig herstellen aus

200 g Mehl
100 g Butter
60 g Staubzucker
1 Ei
1 Prise Salz

Mehl und Butterstücke abbröseln, Zucker, Ei und Salz dazugeben und rasch verkneten. Eine Kugel formen und zugedeckt zwei Stunden im Kühlschrank rasten lassen. Eine befettete Tortenform mit dem Teig auskleiden und 15 Minuten blind backen.

Küchenkatze bewacht Torte, sicher ist sicher!
Inzwischen die Ricottamasse zubereiten:

75 g Butter
150 g Staubzucker
1 TL Vanillezucker
250 g Ricotta
100 g Mehl
70 g Maizena
1 TL Backpulver
3 Eier
Schale von einer Biozitrone
Saft von einer halben Zitrone

Mandelblättchen
Brauner Zucker

Eiklar zu festem Schnee schlagen. Butter, Zucker, Vanillezucker und Zitronenschale schaumig rühren. Die Dotter einzeln dazugeben und dickcremig schlagen. Die restlichen Zutaten unterrühren, am Schluss den Schnee vorsichtig unterheben.

Nun die Hülsenfrüchte vom Mürbteig entfernen, die Fülle darauf verteilen, glatt streichen, mit den Mandelblättchen und dem braunen Zucker bestreuen und bei ca. 160 Grad Umluft 45 Minuten backen (Stäbchenprobe machen!). 

Derzeitige Lieblingsküchenmusik: Picnic with dunkelbunt